Was ist hier los? I bims!

#ibims #vongsprache

„I bims!“ war ein Hype, wurde dann zwischenzeitlich als Werbungsslogan verwendet, und ist damit als Mode wohl endgültig durch?

Der jugendsprachliche Ausdruck wurde von Leuten in die Welt gesetzt, die eigentlich selbst nicht mehr ganz so jugendlich sind. Allen, die Schwierigkeiten haben den Akkusativ vom Dativ zu unterscheiden, kommt der Trend eher entgegen (n und m werden oft vertauscht).

Die „Bims“ und „Vong“ Jugendsprache orientiert sich stark daran, wie etwas klingt, ist lautmalerisch und legastheniker freundlich: Chance wird beispielsweise zur Chongse.
Der Ausdruck „Yolo“ (you only live once) gehört zwar nicht direkt zur Vong-Sprache, ist aber auch Teil der Jugendsprache. Ein Student in der Bahn erzählt von seinem ersten Fallschirmsprung „Ich hatte zwar Angst, aber Yolo!“. Dabei geht’s wohl darum, sich in eine riskante Lage zu bringen, die eventuell auch mit Angst oder Schmerzen verbunden sein könnte, die man aber hinnimmt, weil yolo!

Eigentlich ist die Lust daran Wörter zu biegen oder Varianten zu bekannten Wörtern zu erfinden allgemein verbreitet. Einfach, weil für den erlebten Zustand noch kein passender Ausdruck gefunden wurde. Also „Im Westen nichts Neues“.
Ein weiteres Erkennungszeichen der Vong-Sprache ist der Mix mit Anglizismen „Vong Nicigkeit her“(„nice“- Ausdruck der begeisternden Zustimmung). Ein Phänomen, dass auch schon seit Jahren gang und gäbe ist, ist es, deutsche Wörter englisch auszusprechen (Tasche wird zu Täsch; „Hast du Cash auf der Täsch?“ oder gämmeln anstatt von gammeln (chillen)).

Die Vong-Sprache als Mode

Sprachliche Neuerungen- vor allem, wenn sie so omnipräsent sind- rufen häufig selbsternannte Sprachschützer auf den Plan. Das mag auch damit zu tun haben, dass die Sicht- und Hörbarkeit der Jungen bei den Alten Ängste hervorruft. Ein bisschen ergeht es ihnen dann wohl wie der bösen Stiefmutter in Schneewittchen. Die Jungen führen den Alten die eigene Endlichkeit, oder die Position in der Generationenfolge vor Augen. Die Neuen, bzw. die Jungen stehen bereits in den Startlöchern und erheben Anspruch auf ihren Platz in der Welt, und dabei könnte auch der eigene Sessel ins Wanken geraten.

Die deutsche Sprache kann wohl kaum als immer gleichbleibende Einheit angesehen werden. Sie ist vielleicht sogar eine der wirrsten Sprachen überhaupt. Über die Jahrhunderte wurden beispielsweise Wörter aus dem englischen, schwedischen, französischen, türkischen, ungarischen und jiddischen in sie aufgenommen.
Das Jiddische ist aus bekannten Gründen heute in Deutschland beinahe ausgestorben, dennoch finden sich Reste: „Bist du meschugge“, „Der hat seine ganze Mischpoke mitgebracht“ , „einseifen“, „abzocken“.

Sprache vong zeitlichen Ablauf her

Im 17. und 18. Jahrhundert löste das Französische das Italienische als Hofsprache in Europa ab. Den Hype löste übrigens Louis XIV aus. Der Sonnenkönig erschien dem europäischen Adel wohl als trés chic, so dass sie nicht nur sprechen wollten wie die Franzosen, es finden sich auch zahlreiche Schlösser die von Versailles inspiriert sind. Auf jeden Fall sind doch einige Wörter hängen geblieben: Portemonnaie, Trottoir, Negligé, Dekolleté…

Heute wie damals sind bei der Frage was zur Mode wird eben auch Promis entscheidend.

Der Ursprung von I bims

Bei den Promis muss wohl zuerst der österreichische Rapper Money Boy genannt werden. Der Ausdruck „I bims“ geht auf ihn zurück. Von ihm stammen auch die Formulierungen von…her und das ersetzen der Wörter eine/einer/eines durch „1“.
Zum Beispiel: „Ich bin müde von Party her“, oder, „Ich habe 1 Katze“.

Ein weiterer Protagonist, der für die Entwicklung der Vong-Sprache wichtig war, nennt sich Willy Nachdenklich. Er wurde auch schon als ihr Erfinder bezeichnet. Dabei bediente sich Nachdenklich bei Money Boy. Aus dem von…her des Österreichers wurde vong…her. Im Großen und Ganzen ist die Jugendsprache, wie vielleicht Sprache überhaupt, ein Community-Ding, Wörter werden „gespreadet“, also verbreitet und aufgegriffen. Im Prinzip steht es jedem frei die Liste beliebig zu ergänzen, auch wenn nicht gesagt ist, dass jeder damit einen Vong-Treffer landet.

Jugendwort des Jahres 2017

„I bims“ wurde 2017 zum Jugendwort des Jahres gewählt. Die Kür findet seit 2008 im Netz statt, dabei werden Vorschläge eingereicht über die dann eine Jury entscheidet. Gleich im ersten Jahr wurde übrigens bereits gegen die ältere Generation geschossen, Ü-30 Partys wurden als „Gammelfleischpartys“ bezeichnet. Nett geht anders… Auch das Jugendwort des folgenden Jahres („hartzen“ für rumhängen) sprach nicht unbedingt für ethisches Feingefühl.
Es folgten jeweils auf den ersten Plätzen: „Niveaulimbo“ für ein sinkendes Gesprächsniveau, „Swag“ für eine coole Ausstrahlung, „Yolo“, „Babo“ für Chef oder Anführer, „Läuft bei dir“ für „Du hast es drauf“, „Swombie“, als Beschreibung für alle Smartphoneabhängigen (Zusammengesetzt aus Smartphone und Zombie), „fly sein“ dafür, dass jemand „voll abgeht“. Die Kette endet vorerst mit „I bims“ von 2017, auf Platz 2. landete übrigens napflixen (zusammengesetzt aus „to nap“= ein Nickerchen machen und Netflix= also Serien auf Netflix schauen).

Aber, hatten wir nicht alle mal unseren eigenen Slang, vong Jugend her?

Advertisements
Was ist hier los? I bims!

Church of Hate

 

 

Für alle Gefühle die privat nicht mehr untergebracht werden (können), gibt es Räume: Wer keinen Partner hat und dennoch Sexualität zu zweit haben möchte, kann ein erotisches Etablissement aufsuchen, bei Angst und Sorge geht man in die Kirche oder zum Psychologen. Aber was ist eigentlich mit denen, die hassen. Wer selbst unter seinem Hass leidet, legt sich vielleicht ebenfalls auf die Couch. Aber anscheinend gibt es auch Andere, die, die mal so richtig „abhassen“ wollen.

Auf einer Pegida-Demonstrantion Ende Juni brüllten die Teilnehmer „absaufen, absaufen“. Ihr Hass war einerseits gegen die Geflüchteten gerichtet, die aus Afrika über das Mittelmeer kommen, aber auch gegen Organisationen die in privater Seenotrettung die Schiffbrüchigen aufnehmen und nach Europa in Sicherheit bringen.

Während Wut eher eine Reaktion auf ein konkretes Ereignis und eher ein temporärer Zustand, ist der Hass eine Feindschaft auf lange Sicht. Oder, wie Meister Yoda sagen würde „Furcht führt zu Wut, Wut führt zu Hass, Hass führt zu unsäglichem Leid.“

Von daher wäre es vielleicht angebracht die Pegedianer als „Hass-Bürger“ zu bezeichnen. Da der Bezeichnung „Wut-Bürger“ doch beinahe etwas liebevolles anhaftet.

Auch in Internetforen und sozialen Netzwerken spuckt der Hass seinen giftigen Saft. Jeder kann sich sein Objekt frei auswählen.

Sigmund Freud hat in seinem Werk „Das Unbehagen in der Kultur“ beschrieben, dass die moderne Gesellschaft dem Einzelnen zahlreiche Verzichte und Beschränkungen auferlegt. Der zivilisierte Umgang mit dem Unmut der daraus entstehen kann ist, eine Wendung der Aggression nach innen, die allerdings auch zu psychischen Erkrankungen führen kann.

Betrachtet man den Unmut von einem politischen Standpunkt aus, stellt sich die Frage, welche Umstände die das Individuum beschränken und frustrieren notwendig sind und für welche eine Veränderung angestrebt werden kann. Fragen, die auch öffentlich verhandelt werden.

Im Gegensatz zu der von Freud konstatierten Umgangsweise des nach-Innen-wendens, sind die Pegida-Demonstrationen nach außen gekehrte Unmutsveranstaltungen. Allerdings wird als Ursache des Unmuts und als Zielscheibe des Hasses eine Minderheit gesucht: „Die Flüchtlinge“. Der Unmut wird personalisiert und irrational.

Hinzu kommt, dass der öffentlich herausgebrüllte und personalisierte Hass Folgen hat (insbesondere, wenn er in den Institutionen auf „Verständnis“ stößt und gefördert wird). Seit 2015 sind rechtsextreme Straftaten angestiegen. Meldungen über Angriffe auf Migranten im Alltag häufen sich: Im Mai wird eine Frau mit Kopftuch in Berlin-Spandau wegen ihres Kopftuches geschlagen, im Juli schießt ein Mann in Untermaßfeld auf eine Gruppe Jugendlicher Geflüchtete.

In einem Lied von DÖF (Deutsch-Österreichisches-Feingefühl) von 1983 heißt es, „Hässlich, ich bin so hässlich, so grässlich hässlich, ich bin der Hass“. In dem NDW-Song wird der Kampf zwischen Liebe und Haß dargestellt. Am Ende landet auf der haßgeplagten Erde ein Raumschiff „und bringt die Liebe mit“. Also – einfach ein paar Außerirdische mit Liebesbotschaft nach Dresden schicken? …Aber wahrscheinlich müsste man dann um Leib und Leben der Hippie-Alliens fürchten.

Christoph Schlingensief reagierte mit seiner Aktion „Church of Fear“ 2003 auf den Terrordiskurs und die (auch von Staaten) angeheizte Angst vor Terroranschlägen. Die Kirche hielt er ebenfalls für eine angstverbreitende Institution. Mit der „Church of Fear“ schuf er einen Raum in dem die Angst gefeiert wurde. Allerdings lässt sich diese Idee wohl nicht einfach ummünzen. Während Angst eher zu Innehalten und Selbstreflektion führt, drängen Hass und Wut auf Aktion.

Dennoch. Wäre es nicht denkbar Hass-Räume für die Hassenden zu schaffen? Dabei würden sich dann allerdings noch einige ganz konkrete Fragen anschließen: Wen hassen die Hassenden? Das Hass-Personal? Sich gegenseitig?

Eine Frage ist zumindest geklärt, der erste Hass-Entsorgungs-Raum sollte dann wohl in Dresden eingerichtet werden.

 

Church of Hate

Das Warten auf den Regen…

#frankfurt #hessen #dürre

Wer in diesen Tagen am Mainufer spazieren geht, läuft vorbei an vertrockneten Wiesenflächen. Grün sind nur noch die Bäume der Rest ist gelb-verbrannt. Die Gärtner des Grünflächenamtes sind nur selten zu sehen. Beim Gießen beschränken sie sich auf Büsche und kleine Bäume.

Am Rand von Oberrad liegen die sogenannten „Grüne-Soße-Wiesen“ von Frankfurt, hier werden die Zutaten für Goethes Leibspeise angebaut. Allerdings gibt es hier auch Privatgärtner, die für den eigenen Verbrauch wirtschaften, oder sich auch einfach in ihrem „grünen Wohnzimmer“ erholen. Am Beginn des autotauglichen Asphaltwegs der in die Gärten hineinführt, ist ein Schild angebracht „Am Kindbetterbrunnen“. Eine weitläufige Äcker-und Gartenstruktur bietet sich dem Betrachter dar. Elisabeth P. ist eine der hier ansässigen „Privat-Gärtnerinnen“, die auch Obst- und Gemüse anbauen, sogar ein kleines Gewächshaus für Tomaten nennt sie ihr Eigen.

„Seit Wochen hat es hier nicht mehr wirklich geregnet, das was da runterkommt ist ein Witz!“ beklagt die 70-Jährige. Die Hobby-Gärtnerin wässert vornehmlich mit gesammelten Regenwasser und Grundwasser, dass sie mit einer Handpumpe hinaufbefördert.

„Ohne meinen Nachbarn würde ich das gar nicht schaffen. Der hat eine Elektropumpe und macht mir manchmal die Fässer voll.“ Ihr Nachbar Khalid holt sein Wasser aus dem nahe gelegenen Bach, aber auch dort wird das Wasser knapp.

Nach einer aktuellen Veröffentlichung des Deutschen Wetterdienstes von Anfang des Monats herrscht in weiten Teilen des Bundesgebietes ein „Niederschlagsdefizit“. Im Mai sei nur die Hälfte, im Juni weniger als ein Drittel des durchschnittlichen Regens gefallen, berichtet Florian Imbery vom Deutschen Wetterdienst in der Frankfurter Rundschau.
Am dramatischsten sieht es allerdings im Nord-Osten von Deutschland aus. Für ein Gebiet, dass beträchtliche Teile der neuen Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen-Anhalt umfasst spricht Der Deutsche Wetterdienst von „extremer Dürre“.

Die hat zum Teil fatale Konsequenzen. So musste beispielsweise in Brandenburg die Feuerwehr in diesem Jahr bereits 200 Mal auf Grund von Bränden ausrücken, die direkt auf die Dürre zurückzuführen sind. In der Lausitz weitete sich ein Flächenbrand gar auf 400 Hektar aus.

Während im Nord-Osten und in der Mitte Deutschlands das Wasser fehlte, wurden der Süden und der Westen teilweise von heftigen Regenfällen heimgesucht.

Paul Becker, der Vizepräsident des Deutschen Wetterdienstes spricht von einer „Häufung von Extremereignissen“ die auf den Klimawandel zurückzuführen seien. So würden sich beispielsweise die Anzahl der „klimatologischen Rekorde“ häufen. Im April und Mai diesen Jahres wurden Temperaturrekorde erreicht, das heißt, dass in diesen Monaten (seit 1881) nie höhere Temperaturen auf der Skala erreicht wurden.

Herr Södler vom hessischen Landesverband für Erwerbstobstbau stöhnt auf „Die Hitze macht eine Menge Probleme!“. Durch die starke Sonne sei die Verdunstung enorm. Im Landesverband sind ungefähr 100 Höfe in den Regionen um Kriftel, Darmstadt, Friedberg und Wiesbaden organisiert, die von Gemüse- und Obstanbau leben. Zwar könne er jetzt noch keine Angabe zur Apfelernte machen, aber an vielen Bäumen sei zu beobachten sei, dass „sie die Äpfel fallen lassen“. Das derzeitige Problem der Bauern seien allerdings eher die Feldkulturen, wie die Salate. Die Dürre macht eine hohe Bewässerung nötig.

Ein Bauer aus dem Werra-Meißner-Kreis habe ihm heute gesagt, dass er seine Ernte runterpflügen werde. Die Wasserpreise seien einfach zu hoch. Der Bauer verwende „Stadtwasser“ für die Bewässerung. Auf Nachfrage nach einer unabhängigen Wasserversorgung über das Grundwasser und eigene Brunnen gibt Södler an, dass die Gemeinden nicht so einfach Genehmigungen für Brunnenbohrungen erteilen.

„Eigentlich müssten wir jetzt höhere Preise für die regionalen Salate nehmen“, so Södler „aber wir können die Preise nicht anpassen“. Ansonsten würden die Leute den Salat aus Spanien kaufen. Mit Rückblick auf die Erdbeer- und Kirschernte berichtet Södler, dass die Ernte „kurz und schnell vorüber“ war. Auch wenn sie besser gewesen sei, als im letzten Jahr, da habe der Frost im April enorme Einbußen gebracht. Er verweist aber auch auf Unterschiede in der Region „Es kann natürlich für den einen oder anderen Bauern gut gelaufen sein“. „Wir hoffen einfach, dass bald Niederschläge kommen“ sagt er zum Schluss. Besonders zuversichtlich klingt er dabei allerdings nicht.

Auch der Deutsche Bauernverband fordert auf Grund der Ernteausfälle staatliche Unterstützung für die Bauern. Die Ausfälle seien zum Teil von einem „existenzbedrohenden Ausmaß“.

Der Deutsche Raiffeisen Verband rechnet mit Ernteausfällen von 10% bei der Getreideernte. Mit 41 Millionen Tonnen wäre das der niedrigste Ertrag seit 10 Jahren.

Als Ursache für den ausbleibenden Regen gibt Der Deutsche Wetterdienst an, dass ein Hochdruckgebiet sich über Deutschland „etabliert“ habe: Trockene Luftmassen hätten sich von Großbritannien und Süd-Skandinavien her ausgebreitet und die regenbringenden Tiefdruckgebiete Richtung Nordmeer abgedrängt. Die geringe Feuchtigkeit der Böden und die hohe Globalstrahlung führten zu einer starken Verdunstung und ausgetrockneten Böden. In manchen Gebieten sei die obere Erdschicht gänzlich vertrocknet. Längere Trockenphasen könnten auch dazu führen, dass die Erde, wenn es denn doch regne den Regen nicht gut aufnehmen könnten, und das Wasser in die Gewässer abfließe. Dies könne wiederum Überschwemmungen nach sich ziehen.

Auch wenn bereits an vielen Stellen der Vergleich zum „Jahrhundertsommer 2003“ gezogen wird, scheint der Vergleich wohl etwas übertrieben. Während 2003 zahlreiche Hitzetote zu beklagen waren, ist für dieses Jahr noch kein einziger gemeldet worden.

Die hohen Temperaturen lassen sich aber auch als langfristiger Trend betrachten. In der globalen Betrachtung steigen die Temperaturen bekanntermaßen kontinuierlich.
Unter dem Stichwort Erderwärmung wird der Temperaturanstieg der erdnahen Atmosphäre und der Meere gefasst. Eine Entwicklung die unmittelbar mit der Industrialisierung zusammenhängt, auch wenn für die Jahrhunderte zuvor auch leichte Anstiege zu erkennen sind. Wirklich Fahrt aufgenommen hat die Erwärmung allerdings erst seit den 1970er Jahren.
Diese Globale Tendenz findet sich auch in Deutschland wieder. Kürzlich erregte eine Grafik des Klimaforschers Ed Hawkins Aufmerksamkeit die diese Entwicklung grafisch als „Wärmestreifen“ wiedergab. Mit Daten des Deutschen Wetterdienstes zeigt Hawkins damit, dass es in Deutschland immer mehr warme und heiße Jahre gibt.

Neuere Forschungen geben einen weiteren Anstieg der Erderwärmung durch eine schwächere Ozeanzirkulation zu Bedenken. Sie gehen davon aus, dass die Bewegung des Golfstroms bereits in der Vergangenheit überschüssige Wärme „geschluckt“ habe. Immer dann, wenn der Strom sich verlangsame, sei dies nur in einem viel geringeren Maße möglich.

Vielleicht weniger bekannt ist, dass Deutschland generell für Wassermangel anfällig ist. Wie die Zeitschrift „Spektrum“ schreibt, stufte die UN im Wasserbericht 2015 Deutschland als „anfällig für Wassermangel“ ein. Angesichts dessen erscheint es allerdings etwas merkwürdig, dass im öffentlichen Raum kaum mehr Kampagnen für einen umsichtigeren Umgang mit der wertvollen Ressource zu sehen sind.
Die Erklärung für das Ausbleiben des Regens und die hohen Temperaturen sind vielfältig, ein Zusammenhang zum Klimawandel besteht allerdings.

Unterdessen brennt in Hessen weiter die Sonne vom Himmel. Elisabeth P. sitzt in einem grün-gestreiften Gartenstuhl und hält nach Wolken Ausschau. „Meinen Sie das wird heute noch mal was?! Ich glaub langsam nicht mehr dran…“

 

Das Warten auf den Regen…

Kein Lustgewinn – Ein Gang durch die neue Altstadt in Frankfurt

#frankfurt #neuealtstadt

Zwischen Schirn, Kunstverein und Römerberg wurde die im 2. Weltkrieg zerstörte Frankfurter Altstadt wieder neu aufgebaut. Die Gestaltung bewegt sich zwischen Rekonstruktion und Postmoderne: Rekonstruiert wurden vor allem die Ensemblekombinationen und die Gebäudeanmutungen. Am weitestgehenden wurde die Fassade des Gasthauses „Haus zur goldenen Waage“ wiederhergestellt – oder imitiert. Zur Bauweise wird auf der Internetseite der „DomRömer GmbH“ geschrieben, es handle sich um eine „zeitgemäße Fachwerkbauweise“, was auch immer das heißen mag.

Vor wenigen Wochen eröffnet, wird die neue Altstadt am Samstagnachmittag vor allem von Touristen und Neugierigen beguckt. Wenn man das Gebiet von der Domseite betritt, sieht es fast so aus, als würde das neue Stadthaus dem Dom einen Kinnhaken verpassen. Die Bebauung ist ziemlich dicht und die Chance eines urbanen Platzes wurde (mal wieder) verpasst.

Neben dem Stadthaus steht das „Haus zur goldenen Waage“. Das Fachwerkhaus mit zahlreichen Goldornamenten und Figuren erinnert stark an eine Kuckucksuhr.

goldene Waage Altstadt Frankfurt

Wenn man über den „Krönungsweg“ ins Innere des Areals geht, fällt auf, dass weitgehend die Baustruktur übernommen wurde, die bereits für den Römerberg besteht: Die meisten der Häuser haben einen roten Sandsteinsockel. So ziemlich in der Mitte findet sich der Friedrich- Stoltze-Platz. Der Brunnen mit Stoltzes Büste wurde vom Liebfrauenberg hierher versetzt.

Friedrich Stoltze Statue Frankfurt

Sein missmutiger Blick liegt nun auf den Neubauten. Am Rand des Platzes sitzt ein Flaschensammler, also doch ein Stück Urbanität.

Fast könnte man meinen, man sei in der Innenstadt von Bad Vilbel gelandet – als habe die Stadtreinigung noch 2 Minuten vorher den letzten Papierschnipsel aufgesammelt.

Die Bad-Vilbel-Anmutung ergibt sich nicht nur aus der keimfreien Sauberkeit und den vandalismusresistenten Materialien. Die zahlreichen Statuen und Figürchen wirken wie angeklebte Zitate. Lackierten Holztüren, aus dem Baumarkt, Abteilung Antik, stimmen den Betrachter nicht fröhlicher. Der Leierkastenmann, der versucht die Stimmung anzukurbeln,

macht das Jammerbild komplett. Das alles macht Lust auf die ehrliche Scheußlichkeit der Konstablerwache. Ob zukünftige Römerbergtouristen das auch so sehen, bleibt fraglich.

Insgesamt bleiben die Begeisterungsstürme einiger Zeitungsjournalisten eher unverständlich. Als Hoffnung bleibt vielleicht, dass gnadenspendende Dieselabgase, Efeu, wilder Wein, oder Graffiti die geputzen Fassaden mit der Zeit vermenschlichen.

Kein Lustgewinn – Ein Gang durch die neue Altstadt in Frankfurt

Der Untergang des Popo-Brötchens?

 

 

 

Mit arglosem, wenn auch leicht banalem Ausdruck liegt es da, nichts ahnend, dass es vielleicht eines der letzten seiner Art ist: Das Popo-Brötchen.

Popo-Brötchen

In den einheimischen Bäckereien wurde es zunehmend verdrängt und ersetzt durch andere Brötchengattungen. Sein schärfster Rivale war dabei wahrscheinlich das Baguettebrötchen. Der deutsche Popo besiegt, oh Weh, durch den Erbfeind. Der Franzmann, mit seinem geschliffenen Charme und seinem weltmännischen Gehabe hat dem unverfälschten und jedem Schein abholden deutschen Gebäck die Schau gestohlen. Und nicht nur das, keiner hat es gemerkt!

 

Es war auch nicht seine Art sich zu beklagen, nein, sollten sie doch dem Franzosen hinterher laufen, und an dessen Goldhintern knabbern. Es würde nicht weinen – nicht zetern (jede Theatralik lag ihm fern) kein Wort würde seinen Backen entweichen. So litt es still, aber mit echtem Gefühl. Dann aber, wenn es nicht mehr da, nirgends mehr zu finden wäre, dann würde das Geschrei groß sein, dann wäre es an ihnen zu klagen. Sein argloses Antlitz, das sie stets mit seiner Unschuld bezauberte und sie (vielleicht unbewusst) an andere (geliebte) Kehrseiten denken ließ, wäre nun endgültig vom deutschen Frühstückstisch verschwunden.

 

Ehedem tauchte der Studienrat noch des Morgens seine Semmel in den Kaffee, und davor hielt er stets für einen Moment inne und betrachtete sein Glück. Sah das nicht fast aus wie, ja genau, wie der Hintern von Frau Finkenbrink, die ihm neulich auf dem Flur so symphatisch zugelächelt hatte. Erst sie, und als sie sich umdrehte, schien es ihm fast, als ob…auch…na so ein Käse, denkt der Studienrat, aber schön war’s trotzdem!

Und auch Frau Riebnaczek steckt beim Bäcker ihr Brötchen in die Tasche und denkt dabei an diesen Schauspieler, na, wie hieß er doch gleich, und ein Lächeln geht über ihr Gesicht.

 

Oder ist es gar eine ganze Form, die hier im Orkus der Geschichte verschwindet? War nicht früher die menschliche Kehrseite in der bildenden Kunst wesentlich präsenter, ein in allen Varianten durchexerziertes Motiv, beispielsweise in Form der Aphrodite Kallipygos, oder der blonden Odaliske von François Boucher.

 

Steckt dahinter gar eine geheime Popo-Abwehr? Ja sagen Sie mal, ist ein Arsch denn heute gar nichts mehr wert?

 

Aber so ist es ja gar nicht, zumindest in der Frisurenwelt scheint sich die holde Form hinübergerettet zu haben. Schon früher war es sehr in Mode kleinen Mädchen einen Mittelscheitel zu ziehen, und diesen dann mit Spangen links und rechts festzustecken.

Popo-Frisur

 

Und Prinzessin Kate aus Wales scheint mit ihrem royalen Mittelscheitel, respektive Popo-Scheitel, respektive Madonnenscheitel zum modischen Vorbild für Viele geworden zu sein (zuletzt wohl für ihre frisch gebackene Schwägerin). So lässt sich feststellen, dass die Monarchie letztlich doch zu etwas nütze ist: Sie rettet eine vom Aussterben bedrohte Form!

Königsfamilie

Der Untergang des Popo-Brötchens?

Auschwitz im Gedächtnis der Menschheit

 #auschwitzprozess #unescoweltdokumentenerbe #unesco #hausgallus #fritzbauer

 

Unterlagen des 1. Auschwitzprozesses werden in das UNESCO-Weltdokumentenerbe aufgenommen

 

 

Vor 55 Jahren, 1963, hatte in Frankfurt der Auschwitzprozess begonnen. Jetzt wurden in einem Festakt im Haus Gallus die Akten und Tonaufnahmen des 1. Auschwitzprozesses in das UNESCO-Weltdokumentenerbe aufgenommen. In dem Prozess wurden Schuldige angeklagt, die sich bis zu diesem Zeitpunkt als bloße Befehlsempfänger dargestellt hatten, und in der deutschen Bevölkerung als Normalbürger untergetaucht waren. Die strafrechtliche Untersuchung der in Auschwitz (dem größten Konzentrations- und Vernichtungslager des Nationalsozialismus) begangenen Verbrechen, wurde damit zum Auslöser einer bundesweiten öffentlichen Debatte und stellte eine Zäsur in der bundesrepublikanischen Gesellschaft dar.

 

Begonnen hatte der Prozess in den 60er Jahren im Rathaus Frankfurt. Er wurde jedoch bald in das Haus Gallus verlegt – Die Erinnerungsfeierlichkeiten fanden also am historischen Ort statt.

 

Übergeben wurde die Urkunde von der Präsidentin der deutschen UNESCO-Kommission, Prof. Dr. Verena Metze-Mangold an den hessischen Minister für Wissenschaft und Kunst, Boris Rhein. Ausgerichtet war der Festakt vom Ministerium für Wissenschaft und Kunst und dem Landesarchiv Wiesbaden, das für die Aufbewahrung und Erhaltung der Unterlagen verantwortlich ist.

Als wichtigste Gäste wurden die Vertreter der Frankfurter jüdischen Gemeinde und des Landesverbands, und die Vertretung der Sinti und Roma in Hessen begrüßt, aber auch einer der damaligen Staatsanwälte des Auschwitzprozesses Gerhard Wiese.

Daneben waren Vertreter der Justiz und Gäste aus dem Landtag geladen, Außenminister Heiko Maas wurde durch Andreas Kindl (Auswärtiges Amt) vertreten.

 

Die UNESCO-Vertreterin Verena Metze-Mangold forderte dazu auf, Erbe und Herkunft nicht als Mittel der Abgrenzung zu instrumentalisieren. Vielmehr sei eine Entwicklung hin zu vielfachen Identitäten zu beobachten, die eine „global citizenship“ nahelegen würden. Gerade in Zeiten sich rasch wandelnder Gesellschaften, müsse die Erinnerung an Auschwitz wach gehalten werden.  Die Dokumentation der Auschwitzprozesse sei ein Zeichen, und ein Mittel für die Möglichkeit der Selbstaufklärung. Die digitalisierten Tonbandaufnahmen des Auschwitzprozesses seien schon des längeren auf der Internetseite des Fritz-Bauer-Instituts verfügbar. Sie seien auch als Mahnung zu verstehen, dass die Haut der Zivilisation dünn sei.

 

Andreas Kindl zitierte Außenminister Heiko Maas, der in seiner Antrittsrede zum Außenminister bekannte, er sei wegen Auschwitz in die Politik gegangen.

Die UNESCO als Sonderorganisation der UN habe sich bereits in ihrer Präambel auf Auschwitz als „Verbrechen gegen die Menschheit“ bezogen. Die Verbrechen seien erst möglich geworden durch die Ausnutzung von „Unwissen und Vorurteilen“. Mit den Auschwitzprozessen habe erst die eigentliche Auseinandersetzung mit der Rolle der Deutschen im NS stattgefunden als „Mittäter, Billigende und Duldende“. Andreas Kindl betonte, dass ohne das Engagement von Fritz Bauer der Prozess „nicht denkbar“ gewesen wäre, und verwies damit auf die Bedeutung des Einzelnen an der Gestaltung der Gesellschaft. Auch die Einrichtung des Internationalen Strafgerichtshof der UN stehe mit den Frankfurter Prozessen im Zusammenhang. Kindl schließt wiederum mit einem Zitat von Heiko Maas: „Die Erinnerung darf niemals enden“.

 

Der hessische Kultusminister Boris Rhein betonte, dass mit dem Prozess die Verantwortung der Einzelnen für begangene Verbrechen durchgesetzt worden sei. Die Rechtfertigungsstrategie, man sei nur ein „Rädchen im Getriebe“ gewesen, sei somit nicht mehr akzeptiert worden. Der größte Prozess der deutschen Strafjustiz sei auf ein breites öffentliches Interesse gestoßen, aber auch auf erhebliche Widerstände. Fritz Bauer habe beispielsweise zahlreiche Drohbriefe von Bürgern erhalten. Bauer habe sich die Feindseligkeit damit erklärt, dass „nicht nur 22 Personen auf der Anklagebank säßen, sondern 22 Millionen“. Die Menschen hätten sich in den Tätern wiedererkannt. Mit dem Prozess sei die Beteiligung „bürgerlicher Existenzen“ an den Verbrechen in den Fokus gerückt. Rhein nennt „Krankenpfleger, Bäcker, Bankangestellte und Nachbarn“, als Auswahl aus der Berufsliste der Angeklagten.

Dass Rhein dabei auf die Erwähnung der akademischen Berufe von Angeklagten verzichte- wie Lehrer, Apotheker, Arzt und Zahnarzt – wirkt (gelinde gesagt) seltsam.

 

1963 habe Bauer versucht, die Verantwortung und Mitschuld für alle am Vernichtungsprozess Beteiligten durchzusetzen. Dafür habe es aber damals noch keine rechtliche Grundlage gegeben. Erst 2011 sei es zu einer dementsprechenden gesetzlichen Änderung gekommen. Bei dem Prozess habe dies dazu geführt, dass auch ranghohe Angeklagte nur für die Mithilfe zum Mord verurteilt wurden.

Rhein schneidet auch das Thema zum Antisemitismus in der heutigen Gesellschaft an, und tut dabei (ganz nebenbei) den Ausspruch, dass es auch „für Zuwanderer keine Ausnahme geben könne“. Durch das Herausgreifen der Zuwanderer als Problemgruppe in Bezug auf Antisemitismus bedient der Minister allerdings (nebenbei) Ressentiments gegen Minderheiten.

 

Prof. Dr. Joachim-Felix Leonhard ging es um das kollektive Gedächtnis von Gesellschaften und um die Frage, was passiere, wenn Geschichte vergessen oder verdrängt würde, und wie sich entscheide, was erinnert wird. Als Beispiele nannte er den Assuan Staudamm, die Plünderung des Nationalmuseums in Bagdad, das Nationalmuseum in Sarajevo, und die Zerstörung alter Handschriften in Mali. Oft gehe es bei solchen Zerstörungen um den Versuch die kulturelle Identität Anderer zu vernichten. Bei der Aufnahme der Prozessdokumente in das Weltkulturerbe gehe es vor allem darum, den Opfern ihre Würde zurückzugeben. Die Stimmen der Opfer würden hörbar.

 

Er selbst habe damals als Schüler den Prozess besucht. Der angeklagte Robert Mulka habe eine ganz ähnliche Haltung eingenommen wie Adolf Eichmann und seine eigene Rolle heruntergespielt; „Ich bin nur ein kleiner Mann, ich musste meine Befehle ausführen“.

 

Im Anschluss wurden Tonaufnahmen von Zeugen im Auschwitzprozess eingespielt:

Ein Zeuge berichtete von den Selektionen an der Rampe und dem Transport von Zyklon B in Rotkreuzwagen, eine Schreiberin schilderte den Bau der Rampe im Jahr 1943, ein Arzt berichtete vom Selektionsprozess an der Rampe, an dem sich der Angeklagte Apotheker Dr. Capesius beteiligte. Die Frau des Arztes und seine Kinder wurden ermordet, er sah sie dort zum letzten Mal.

Dr. Capesius war als Vertreter der IG-Farben Industrie im Lager und am Selektionsprozess beteiligt, noch im Prozess habe er versucht, sich als unschuldigen Apotheker darzustellen.

 

Erst 1979 sei die Verjährung von Mord im Bundestag aufgehoben worden, so dass eine weitere Verfolgung der Täter möglich wurde.

 

Der Justizminister Lauritz Lauritzen habe die Tondokumente des Prozesses gerettet, ursprünglich hätten sie gelöscht werden müssen, da sie nur als Gedächtnisstütze für das Gericht gedacht waren.

 

Prof. Dr. Andreas Hedwig, Präsident des Hessischen Landesarchivs, wies darauf hin, dass der Ausgangspunkt des Prozesses eine Strafanzeige in Stuttgart gegen den Angeklagten Bogner gewesen war. Das hessische Landesarchiv sei im übrigen nicht nur Aufbewahrungsort für die Dokumente des Auschwitzprozesses, sondern habe einen umfangreichen Bestand an Akten aus der NS-Zeit.

 

Die Veranstaltung wurde musikalisch eingerahmt durch das Rheingauer Streichquartett, das Werke von Béla Bartók, Sergei Prokofjew, Miroslav Skoryk und Chiel Meijering spielte. Die Werkauswahl und die Umsetzung wurde vom Publikum mit großem Applaus gewürdigt. Schon beim eröffnenden Stück „Caixa de Dolçosvon Chiel Meijering“ traten manch einem die Tränen in die Augen.

Tondokumente des Auschwitzprozesses auf der Seite des Fritz-Bauer-Instituts: http://www.auschwitz-prozess.de/

Veranstaltung zum Auschwitzprozess in Frankfurt im Bürgerhaus Gallus

Saalbau Gallus/Haus Gallus

Aufnahme der Dokumente des Auschwitzprozesses in das UNESCO-Weltdokumentenerbe

Von links nach rechts: Prof. Dr. Joachim-Felix Leonhard, Prof. Dr. Verena Metze-Mangold, Andreas Kindl, Gerhard Wiese, Boris Rhein, Prof. Dr. Andreas Hedwig

Die Würde des Menschen ist unantastbar

Auschwitz im Gedächtnis der Menschheit