Neulich in der Oper

 

Am Anfang werden die Instrumente gestimmt. Etwa zehn Minuten lang erklingt D-Moll (D-F-A), das ist wie Meditation, nur nicht so langweilig. Instrumente und Publikum stimmen sich ein.

Der Dirigent ist beschwingt, er schüttelt seine Topffrisur und ich beneide ihn um seine Haarglanzkur. Vor mir sitzen drei Herren mit Fledermausohren und beugen sich über das Geländer. Erst die Ouvertüre, Mozarts „Cosi fan tutte“ (So machen es alle), die Sänger sind gut, besonders der Tenor, „Hach, ein Tenor“.

Warum Oper für alle wichtig sein könnte, unabhängig von der Klassenzugehörigkeit, bzw. Klassenerziehung: Weil in der Oper die Menschen singen, weil sie so außer sich sind, es geht um die Vermittlung einer hohen Gefühlsintensität: Liebe, Freude, Begeisterung, Enttäuschung, Schmerz.

Bei Mozart sind die Kammermädchen und die Pagen immerhin genauso wichtig wie die Gräfinnen und Grafen und stehen mit ihrer oft eher praktischen Moral im Gegensatz zu ihren „Herren“. In „Cosi fan tutte“ fragt das Dienstmädchen an einer Stelle „Bin ich etwa schlechter als die da? Immer nur arbeite ich für andere, nie für mich. Warum soll ich nicht einmal Kakao trinken“ Und sie trinkt. Das ist noch keine Revolution, aber immerhin.

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Neulich in der Oper

„Provenienz in Abklärung“

 Gurlitt-Ausstellung in Bonn

#gurlitt #gurlittausstellung

 

 

 

Der graue Steinkubus der Bundeskunsthalle trägt in dünnen Metalllettern die Aufschrift„Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland“, und die Eintrittskarte weist mich als Besitzerin eines „Buchungs- und Einlassdokumentes“ aus. Alles wirkt staatstragend. Als Institution des Bundes ist also die Staatsräson bereits im Namen enthalten. Auch der „Fall Gurlitt“ wurde bald zur Staatssache.

 

Nach mehrjähriger Berichterstattung über die Sammlung des Cornelius Gurlitt und deren Herkunft ist nun die Hinterlassenschaft in Bonn und Bern zu besichtigen. Die Ausstellung in Bern trägt den Titel „’Entartete Kunst’- Beschlagnahmt und verkauft“, die Ausstellung in Bonn heißt „Der NS-Kunstraub und die Folgen“.

Dies macht auch deutlich, dass es in der Ausstellung nicht nur um den Fall Gurlitt gehen soll, sondern dass hier eine breitere Kontextualisierung nationalsozialistischer Kunstpolitik unternommen wird, also der Diebstahl an den Opfern des Nationalsozialismus und der Diebstahl an öffentlichen Kunstbeständen der besetzten Länder.

Im Falle des Kunstsammlers Hildebrand Gurlitt, des Vaters von Cornelius Gurlitt, stellt sich aber eine andere Frage, nämlich ob und wie Gurlitt senior von seiner mindestens ab 1938 nachgewiesenen Nähe zum nationalsozialistischen Staat Nutzen zog, indem er bedeutende Kunstwerke günstig erwarb, teilweise aus jüdischen Notverkäufen, teilweise ab 1940 aus dem besetzten Paris. Die Klärung der Herkunft seines Kunstbesitzes ist nun Sache der Provenienzforschung und eine offenbar schwierige Aufgabe, da die Dokumentation lückenhaft ist, und weil offensichtlich einige Dokumente zur Provenienz gefälscht wurden.

 

Hildebrand Gurlitt erscheint als eine ambivalente Figur: Einerseits war er ein engagierter Museumsdirektor und Förderer der modernen Malerei, der in den 1920er Jahren zur Zielscheibe des „Kampfbundes deutscher Kultur“ wurde. Andererseits aber gab er bei der Befragung durch die amerikanische Besatzungsregierung an, dass er als Einkäufer für die Nationalsozialisten tätig war, weil er befürchtete, zur Zwangsarbeit herangezogen zu werden. Er galt nach der nationalsozialistischen Ideologie als „Mischling 2. Grades“, weil seine Großmutter Jüdin war.

 

Für mich als Besucherin der Ausstellung stellt sich so eine Ambivalenz ein, zwischen der Betrachtung und dem ästhetischen Genuss der gezeigten Kunst und der ungeklärten Frage der Herkunft und dem damit verbundenen Schicksalen von Menschen im Nationalsozialismus.

 

Der in Bonn gezeigte Teil der Sammlung zeigt allerdings eine hohe ästhetische Qualität: Etwa ein Ölgemälde des „Realisten“ Gustave Courbet aus dem 19. Jahrhundert, Werke wichtiger Künstler der 1920er Jahren wie Otto Dix, George Grosz, Max Beckmann und Karl Schmidt-Rotluff und großformatige Lithographien von Edvard Munch.

Während es sich bei diesem Teil der Sammlung um verfemte Kunst des Expressionismus handelt, folgen darauf Bilder, die dem kleinbürgerlichen nationalsozialistischen Geschmack entsprachen und die Adolf Hitler für den Ankauf seines geplanten „Führermuseums“ in Linz wünschte. Dazu gehörten auch fromme Ölgemälde des jungen Cranach aus dem 16. Jahrhundert, Holzschnitte von Albrecht Dürer und Zeichnungen von François Boucher.

 

Die letzten Räume präsentieren Werke des französischen Impressionismus: Die Waterloo Bridge von Claude Monet, Aquarell-Kohle Zeichnungen von Paul Signac und kleinformatige Ölbilder von Renoir. Den Abschluss bilden Lithographien von Daumier, Frauenskulpturen von Rodin und ein Ölgemälde von Kokoschka.

Nur bei einem geringen Teil dieser Kunstwerke konnte die Herkunft zweifelsfrei geklärt werden, meistens tragen sie den Vermerk „Provenienz in Abklärung“.

Das wird sich aller Wahrscheinlichkeit auch nicht ändern, wenn in absehbarer Zeit der zweite Teil der Berner Gurlitt-Sammlung nach Bonn kommen wird.

Max Beckmann Cafémusik

Max Beckmann „Caféhausmusik“

Munch

Edvard Munch „Zwei Menschen“

Otto Griebel Die Verschleierte

Otto Griebel „Die Verschleierte“

„Provenienz in Abklärung“

Finkenbrink II

Herr Finkenbrink ist nun in Pension. Anstatt zur Arbeit zu gehen, sitzt er montagmorgens vor dem Fernseher. Es läuft mal wieder nur Mist!

Fineknbrink Fernsehen

 

Um auf andere Gedanken zu kommen rafft er sich auf, um einen Spaziergang zu machen. Er geht in den nahe gelegenen botanischen Garten. Als er den Eingang passieren will, versperrt ihm eine Gruppe von Enten den Weg. Er macht einen großen Bogen um die Versammlung.

Finkenbrink Enten3

 

Noch im Gehen, meint er, die bohrenden Entenblicke im Rücken zu spüren. Hastig eilt er den Weg entlang. Schweiß bricht ihm aus. Erst nach vielen weiteren Runden um die Rhododendronbeete, hat sich sein Pulsschlag normalisiert. Mit einem Seufzen lässt er sich auf einer schmiedeeisernen Gartenbank nieder und lässt seine Gedanken wandern.

Doch plötzlich erregt ein Rascheln in den Büschen seine Aufmerksamkeit, zwei große Enten flattern schnatternd und lärmend über Herrn Finkenbrink hinweg und landen vor ihm auf dem Kiesweg. Eine Ente mit grünmetallenem Kopf und eine Zweite, braunmeliert, lassen sich vor ihm nieder und glotzen Finkenbrink ungeniert an.

Finkenbrink Bank

Finkenbrink springt auf, und beginnt zu rennen, schnell, schneller, nur heraus aus diesem Entenalptraum. Am Eingang muss er wieder die Entenmasse passieren. Ihre Blicke scheinen ihn nun zu verhöhnen. Einige fliegen auf den Zaun herauf (um ihn nicht aus den Augen zu verlieren), sie haben es auf ihn abgesehen und beobachten jeden seiner flüchtenden Schritte. Hektisch schaut er sich um, er braucht ein Versteck. Dann, endlich, an einer Straßenecke sieht er den einladenden Eingang eines chinesischen Restaurants: Rote Lampen und Pagoden ziehen ihn magisch an. Finkenbrink betritt das Restaurant und sucht sich einen Sitzplatz im hintersten Winkel. Als er die Karte aufschlägt bricht er in diabolisches Lachen aus.

Finkenbrink Drache

Ein loses Blatt verkündet die Tagesempfehlung:

Heute frische Pekingente 14.90!

Finkenbrink II

Die Angst von Enten beobachtet zu werden

Finkenbrink4

„Lieber Herr Finkenbrink, sie leiden unter einer sogenannten Anatidaephobie, also der Angst von Enten beobachtet zu werden. Wie bei allen Phobien geht es auch bei dieser um eine Angst, die an eine konkrete Situationen oder ein konkretes Objekt geknüpft ist.“

 

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„Vielleicht könnte man daher fast noch eher von einer Furcht sprechen, da das Objekt der Angst doch konkret benannt werden kann. Ich gehe davon aus, dass sich ihre Phobie auf ein traumatisches Ereignis zurückführen lässt. Ihre Reaktion auf die durch das Objekt ausgelösten Ängste entspricht dabei einer typischen Vermeidungsstrategie; Quak.“

Finkenbrink6

„Vielleicht, quak, sprechen wir dabei, quak, sogar von einer ganzen Kette, quak, traumatisierender, quak, Erlebnisse.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Angst von Enten beobachtet zu werden

Buchmesse

#fbm2017

Als ich die Halle 4.1. betrete wird gerade Stefanie Sargnagel interviewt. Sie sagt, dass sie gehört habe, dass die Stadt sehr rechts sei. Dann habe sie aber viel positive Resonanz bekommen: Leute hätten sie angesprochen und ihr gesagt, dass sie es gut fänden, dass sie da sei. Erst denke ich, es geht um Frankfurt, dann stellt sich aber heraus, dass es um Klagenfurt und ihre Stadtschreibertätigkeit geht. Als ich mich auf einen weißen Kubus im Orbanspace (was auch immer das heißen mag) niederlasse , ist der Spaß auch schon vorbei. Das Interview ist beendet.

Während ich durch die Halle streife, habe ich Angst, von den zahlreichen freundlichen und aufgeschlossenen Leuten an den Ständen angesprochen zu werden (Vielleicht sind die auch gar nicht so freundlich). Eigentlich will ich mir nur die Bücher angucken. Überall ist es ziemlich laut. Autoren sitzen hinter Mikrofonen und sprechen über ihre Bücher. Die Pappwände zwischen den Ständen wirken nicht gerade schallisolierend. An einem Stand wird ein Faksimile der Septemberbibel von Martin Luther angeboten. Ein Anderer hat das „Best Book of Design all over the world“ ausgestellt. Bei der Edition Zürich liegen vertrocknete klein-geschnittene Feigen auf einem Pappteller.

Der Verbrecherverlag hat ein Buch mit dem Titel „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“ im Regal. Es geht um die Freundschaft zweier Jugendlicher, von denen einer den Namen „Hitler“ trägt. Seine Mutter steckt den Jugendlichen Zigaretten zu und trägt zu enge Kleider, bei denen sich alles abzeichnet.

Ein paar Stände weiter, bei Arte, wird ein Interview gezeigt. Eine junge Frau berichtet über die Problematik, dass es wohl eher ungewöhnlich wäre, wenn sie ihren Mann nach dem Nachhausekommen fragen würde, was es zum Abendessen gibt. Kleidung und Habitus verweisen eher auf das Bürgertum. Am Stand der Jungen Welt bietet mir ein Mann mit Pferdeschwanz ein Abo an, sein Kollege schiebt die Sammelbüchse neben die Unterschriftenliste. Am Orbanspace moderieren jetzt lautstark junge Männer mit Hipsterbärten. Es gibt ein Mitmachspiel und das Publikum soll irgendwelche Karten hochhalten. Andere junge Männer wirken darob äußerst amüsiert.

Eilig flüchte ich die humorigen Moderatoren und finde mich in der Halle mit den internationalen Verlagen wieder. Dort ist es recht leer. In einer Ecke entdecke ich Maltische für Kinder. Der Platz scheint unbetreut zu sein, so dass ich vor weiteren Buchmessenpersonal weitestgehend sicher bin. Als ich näher komme, sehe ich eine Frau mit einer roten Baskenmütze. Naja, der Platz ist wohl schon besetzt!

Buchmesse

Rom – Streiflichter

Vielleicht entscheidet es sich doch auf den ersten Blick, ob man eine Stadt liebt.

Rom zeigt sich mir am Tag meienr Ankunft günstig beschienen: Ockerfarbene Gebäude, blauer Himmel und grüne Zypressen. Ein Grün wie aus einem Bundstiftmalkasten.

Überall tauchen Überreste der Antike wie aus dem Nichts auf. Es entsteht fast das Gefühl durch eine Kulisse zu wandern, man möchte an jede Fassade klopfen, um zu prüfen, ob sie nicht doch aus Pappe ist.

McDonalds und Touristenbuden bilden ein Ensemble mit antiken Säulen. Manche der Ausgrabungen sind durch ein Geländer abgesperrt und liegen oft mehrere Meter tiefer als das übliche Straßenniveau. Die Stadt steht auf einem Trümmerfundament.

Forum Romanum

Aus der Entfernung sieht es aus, als habe ein Riese die Stadt und ihre Gebäude zerkegelt. Wie Scherben zerbrochenen Geschirrs verteilen sich die Trümmer im Forum Romanum.

Zweimal am Tag scheppert die Müllabfuhr in den Straßen. Die Innenstadt soll sauber gehalten werden, für die Touristen. Die Stadtpolitik hat dem Müll unter der Schlachtformel: „Roma propria“ den Kampf angesagt.

In den U-Bahn-Stationen läuft italienische Popmusik, man könnte fast den Verdacht bekommen, dass es eine Angst vor der Stille gibt. Aus jedem Gang schallt es einem erneut entgegen.

In der Linie 64 stehen die Leute dicht gedrängt, im Zweifelsfall sind die routinierten Buspassagiere auch bereit von Außen nachzustopfen. Die Touristen umklammern ihre Geldbeutel, Klimaanlage gibt es keine und Stoßdämpfer sind längst nicht mehr vorhanden. Das römische Pflaster hat ihnen den Garaus gemacht.

Auf den Straßen ist christliches Personal in Scharen unterwegs: Mönche, (angehende) Priester und Nonnen. Verschiedene Trachten weisen auf die Zugehörigkeiten hin (ähnlich wie bei Fußballvereinen): Die Dominikanermönche tragen weiß, die Augustiner schwarz, die Franziskaner braun.

In den Schaufenstern der Innenstadt wird die Ausstattung für Nonnen und Priester angeboten: Schwarze Hemden mit weißem Kragen, Weihrauch in Büchsen, Taschen und Schirme in gedeckten Farben, Festtagsgewänder und sogar klerikale Unterwäsche.

katholische Festtagsgewänder

Die Schar junger Priester scheint auch die Phantasie der Verlagsbranche beflügelt zu haben. An den Kiosks werden Kalender angeboten, in denen sich attraktive junge Männer im Priestergewand präsentieren, in einem anderen Kalender lassen männliche Models als Gladiatoren in römischer Uniform ihre Muskeln spielen.

Kalender

Auf dem Piazza Navona tummelt sich mythisches Meeresvolk, der Vierströmebrunnen wurde nach einem Entwurf des Bildhauers Gian Lorenzo Bernini angefertigt. Vier Flussgötter hocken auf seinem Rand, ein Pferd galoppiert unter ihnen heraus, in ihrer Mitte liegt ein schlafender Löwe.

Bernini

Theatralische Inszenierungen des Barock sind in der Stadt allgegenwärtig, nicht nur bei den Staturen von Bernini, auch, und besonders, in den Kirchen: farbige Deckengemälde die förmlich überlaufen: Tauben, Lämmer, Puttos und Heilige fahren in einen von Goldornamenten gesäumten Himmel.

Himmelsfahrt

 

 

 

 

 

 

Rom – Streiflichter

„Bitte (noch) nicht spülen!“

 

 

In meiner Frauenarztpraxis hat der Arzt gewechselt. Der alte Arzt ist in Pension gegangen und soll Gerüchten zu Folge im pazifischen Ozean umherschippern

In der Praxis sind ein paar Neuerungen vorgenommen worden. Im Wartezimmer flimmert über einen Flachbildschirm eine Werbung für Botox, „Eine Leistung die nun auch in dieser Praxis angeboten wird“. Wie dem auch sei. Ich erkläre dem neuen Arzt (um die 40, mit etwas vigilantem Lächeln) dass ich ein Blasenproblem habe.

Daraufhin hält er mir einen Vortrag über Blasen: „Frau Perabo, die Blase muss man erziehen, sonst terrorisiert sie einen, schauen Sie auf die Uhr und versuchen Sie es mindestens immer eine Stunde auszuhalten“. Lachen muss ich schon angesichts der Vorstellung einer verschlagenen Blase, die mit mir um die Herrschaft um meinen Körper oder meine Handlungen ringt. „Das ist ein psychologisches Problem“. Okay, war mir auch klar. Am Ende bewahrheitet sich auch mein Vigilanzverdacht, er fragt mich, ob ich ihm Freikarten besorgen könne, nachdem er eine Notiz zu meinem Arbeitgeber gelesen hat.

Die psychologische Bedeutung der Ausscheidungsprozesse ist mir ja auch vertraut. Als ich in der Praxis meines derzeitigen Analytikers das Thema als „Dauerbrenner“ bezeichne, giggelt er hysterisch vor sich hin, manchmal frage ich mich, wer da bei wem in Behandlung ist. Ich referiere brav freudianisch, dass die Exkremente die ersten Geschenke an die Eltern sind. Ein Geschenk, dass dennoch heruntergespült werden muss, um der Zivilisation willen, oder so ähnlich.

Serge Gainsbourg hat in den 70ern ein Lied über seine neugeborene Tochter geschrieben und ihre Existenz darin so beschrieben: „C’est une petite poupée, qui fait pipi caca, un petit poupée qui dit papa“. Heute ist Charlotte Gainsbourg eine berühmte Schauspielerin; naja wir haben alle mal klein angefangen. Was ich damit sagen will ist, dass zumindest zu Beginn doch diese Funktionen ziemlich relevant sind (nicht zuletzt für die Eltern).

Der Philosoph Slavoj Žižek hat einmal versucht, die Nationen anhand ihrer Toilettenkultur einzuordnen. Während die Franzosen eine Art Fallrohr bevorzugen, und ihr Exkrement leichthin wegspülen („Weg damit“), gibt es bei den Deutschen diese kleine Ablagefläche, damit man sich das Ganze noch mal genauer betrachten kann. Was die Folgerung daraus war, habe ich allerdings vergessen.

Fest steht, dass auch die Scheiße mit dem Abziehen der Toilettenspülung nicht aus der Welt ist, und man dennoch recht froh sein kann, sie los zu sein. Jedenfalls gibt es keinen Grund, darum einen Kult zu machen, wie es bspw. in einem Pamphlet von Friedensreich Hundertwasser vorgeschlagen wurde.

Aber auch die übertriebene Reinlichkeit des „analen Charakters“ kann Hinweis auf eine zu enge Bindung an die Fäkalie sein, „Wo es am Saubersten zu sein scheint, regiert die Fäkalie“ schrieb schon Sigmund Freud.

Inzwischen hab ich das Blasenproblem jedoch unter Kontrolle, denn auch meine Blase weiß inzwischen: „Ich bin Chef!

„Bitte (noch) nicht spülen!“